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Rechtschreibtraining fördert Motivation

In einer aktuellen wissenschaftlichen Studie haben sich Psycholog*innen der Universität Marburg mit der Wirksamkeit eines neuartigen Förderprogramms zur Verbesserung der Rechtschreibung befasst (s. Bruch, Lemmer & Schwinger, 2020). Neuartig am „Rechtschreibtraining mit Dino“ ist sein besonderer Fokus auf motivationale Faktoren bei den Schüler*innen, die zusätzlich zu den schriftsprachlichen Kompetenzen gefördert werden sollen. Ein solcher Ansatz ist deshalb so wichtig und sinnvoll, weil viele Kinder mit Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb auch Probleme mit ihrer Motivation und ihrem Fähigkeitsselbstkonzept bekommen. Das Fähigkeitsselbstkonzept beinhaltet alle Annahmen eines Menschen zu seinen Fähigkeiten und kann durch häufige Misserfolgserfahrungen bei der Bewältigung schulischer Aufgaben negativ beeinflusst werden. Wenn dies bei der individuellen Förderung nicht frühzeitig berücksichtigt wird, können u.a. motivationale Probleme wie geringe Selbstwirksamkeitserwartungen und Schulunlust die Folge sein.

Das Rechtschreibtraining mit Dino beinhaltet deshalb neben der Vermittlung orthographischer Inhalte (z.B. Strategien zur Groß- und Kleinschreibung, Differenzierung von Vokallängen, Ableitungsregeln) auch motivationsfördernde Elemente wie z.B. die Anwendung selbstwertdienlicher Attributionen, die Schaffung von Wahlmöglichkeiten und Aspekte des kooperativen Lernens. Zudem werden die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung gefördert und ein Verstärkersystem genutzt.

An der besagten Evaluationsstudie nahmen 111 Schüler*innen der dritten und vierten Klassenstufe von insgesamt acht hessischen Grundschulen teil, die aufgrund ihres Ergebnisses in einem standardisierten Rechtschreibtest als Förderkinder identifiziert wurden (Prozentränge 1-20). Aus dieser Stichprobe wurden 60 Schüler*innen der Interventionsgruppe zugeordnet, die mit dem Rechtschreibtraining mit Dino gefördert wurden. Die übrigen 51 Kinder bildeten die Kontrollgruppe, die im gleichen Zeitraum keine Förderung erhielten. (Betreffende Kinder wurden im Anschluss an die Studie mit einem anderen Rechtschreibtraining gefördert.)

Beim Vergleich zwischen Interventions- und Kontrollgruppe zeigten sich statistisch relevante Unterschiede: Schüler*innen, die mit dem etwa dreimonatigen Rechtschreibtraining mit Dino gefördert wurden, verbesserten ihre Rechtschreibleistung deutlich stärker als die Schüler*innen in der Kontrollgruppe. Ebenso verbesserte sich die Leseleistung in der Interventionsgruppe signifikant stärker, diese wurde jedoch in der Kontrollgruppe nicht erfasst, sodass die Zugewinne in der Interventionsgruppe nicht als Trainingseffekte verbucht werden können.  

Neben der Förderung von Rechtschreibkompetenzen lag ein besonderes Forschungsinteresse auf der Entwicklung des Fähigkeitsselbstkonzeptes in Bezug auf das Lesen und das Schreiben. Im Ergebnis zeigten sich auch hier signifikante Zuwächse, die auf das Rechtschreibtraining mit Dino zurückgeführt werden können. Das heißt, neben einer erkennbaren Kompetenzerweiterung im Bereich Rechtschreibung wirkte sich das Trainingsprogramm zudem vorteilhaft auf die kompetenzbezogene Selbstwahrnehmung der Schüler*innen in den Bereichen Lesen und Schreiben aus.

Die Wissenschaftler*innen der Studie geben zu bedenken, dass es weiterer Forschungsbemühungen bedarf, um offene Fragen zu klären:

  • Wie schneidet das Rechtschreibtraining mit Dino im Vergleich zu anderen als wirksam evaluierten Rechtschreibprogrammen ab? Ist es diesen im Hinblick auf die Förderung des Fähigkeitsselbstkonzeptes im Lesen und Schreiben überlegen?
  • Wie sieht die langfristige Entwicklung des bereichsspezifischen Fähigkeitsselbstkonzepts der Schüler*innen aus, wie stabil sind also die Effekte des Trainings?

Laut den Autor*innen existiert bislang keine vergleichbare Studie, die positive Effekte eines Rechtschreibtrainings auf das Fähigkeitsselbstkonzept vorhergesagt und empirisch gezeigt hat.

Fazit: Eine vielversprechende Ergänzung eines Rechtschreibtrainings, die dazu beitragen kann, den Teufelskreis aus Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb und der Entwicklung eines negativen Selbstkonzeptes zu unterbrechen.

 

Originalartikel: Bruch, S., Lemmer, G., & Schwinger, M. (2020). Evaluation des Rechtschreibtrainings mit Dino. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie.

 

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