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Eindrücke zum Fernunterricht

Derzeit wird zunehmend das digitale Lernen im sogenannten „Homeschooling“ erforscht. Zutreffender ist wohl der Begriff „Fernunterricht“, denn „Homeschooling“ steht für Hausunterricht in Ländern, in denen das erlaubt ist. „Unschooling“ steht dafür, dass Eltern es aus verschiedenen Gründen ablehnen, ihre Kinder zur öffentlichen Schulen zu schicken.

Hier einige Eindrücke aktueller Befragungen:

„Das Lernen zu Hause kommt bei Kindern und Jugendlichen gut an, auch wenn ihnen der Austausch mit den Mitschülern und Lehrkräften extrem fehlt. Etwa 3,5 Stunden lernen Schülerinnen und Schüler nach eigenen Angaben pro Tag, sie tun das überwiegend strukturiert und sehen sich dabei technisch gut aufgestellt…Am meisten fehlt den 10- bis 16-Jährigen der Austausch mit den Mitschülern, das gemeinsame Lernen sowie die persönliche Unterstützung und das Feedback der Lehrkräfte. Etwa 70 Prozent der Befragten nennen die Tatsache, dass der Kontakt zu den Klassenkameraden fehlt, als größtes Problem der Schulschließungen. Den meisten Raum beim Lernen zu Hause nehmen die Hauptfächer Deutsch, Mathematik und Englisch ein. Bei den MINT-Fächern haben die 10- bis 16-Jährigen den größten Unterstützungsbedarf von Eltern, Lehrern oder auch Mitschülern. Hier werden Aufgabenstellungen zum Beispiel in Physik oder Informatik nicht so gut verstanden wie in Gesellschaftswissenschaften oder Fremdsprachen. Experimentelles Arbeiten bleibt auf der Strecke, obwohl hier digital gestützt Einiges möglich wäre. “ (Telekom Stiftung)

„Den Hauptteil der zusätzlichen Last tragen vermutlich die Mütter. Schon in normalen Zeiten leisten sie den größten Teil der Kinderbetreuung, selbst wenn sie wie ihr Partner in Vollzeit erwerbstätig sind und noch umso mehr, wenn sie teilzeitbeschäftigt sind. Auch andere Haushaltstätigkeiten wie Einkaufen, Kochen und Putzen, die in Corona-Zeiten verstärkt anfallen, dürften wie zuvor allen voran Mütter übernehmen. „Wenn in einer Familie jemand die Arbeitszeit reduzieren oder den Job zumindest zeitweise ganz aufgeben muss, um Zeit freizuschaufeln, dann dürften es am ehesten die Mütter sein“, so Studienautorin Julia Schmieder, „denn sie sind oft teilzeitbeschäftigt und haben mehrheitlich ein geringeres Gehalt als ihre Partner. Die Gefahr eines gleichstellungspolitischen Backlashs ist daher nicht abwegig, sondern sogar sehr real.“ (Deutsches Instituts für Wirtschaftsforschung)

„Der allergrößte Teil der befragten Jugendlichen empfängt mindestens einmal wöchentlich Lehrmaterialien durch die Schule. Bei 47 Prozent der Befragten erfolgt dies täglich, bei weiteren 47 Prozent zumindest einmal wöchentlich. Lediglich sechs Prozent der Befragten geben an, seltener als einmal wöchentlich Lehrmaterialien zu bekommen. Der Kontakt zwischen Lehrern und den Jugendlichen findet über verschiedene Kanäle statt, die teils parallel eingesetzt werden. Vor allem Onlineplattformen und E-Mails werden von Seiten der Schulen genutzt.“ (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung)

„Beim Lernen generell unterstützten die Schülerinnen und Schüler sich meist gegenseitig via Chat (50 %), 45 Prozent nutzten Tutorials im Internet, 43 Prozent wurde von den Eltern geholfen, jede/-r Dritte erhielt Anleitungen von der Schule (32 %), 35 Prozent probierten es einfach aus. Allerdings bedurften die jüngeren Schülerinnen und Schüler deutlich mehr Unterstützung, die 12- bis 13-Jährigen gaben zu 90 Prozent an, dass ihnen beim Lernen von den Eltern geholfen wurde. Als mediale Lernangebote wurde vorwiegend YouTube (83 %) genutzt, gefolgt von Wikipedia (58 %), Dokus und Wissenssendungen im Fernsehen (27 %) sowie explizite Schulsendungen im Fernsehen oder Internet (21 %)“. (JIMplus 2020 Corona)  

„Die Auswertung zeigt, dass fast alle Grundschulen bundesweit Aufgaben in den Fächern Mathematik und Deutsch zur Verfügung stellten, 66 Prozent der Schulen auch für den Sachunterricht. Andere Fächer wurden hingegen eher zurückgestellt. Bei der Verteilung der Aufgaben bedienten sich die Lehrkräfte unterschiedlicher Wege. 50 Prozent nutzte E-Mails, knapp 15 Prozent verteilten die Aufgaben in Schriftform, bei anderen war es eine Mischung verschiedener Kontaktwege vom Smartphone über die Schulhomepage. Mit der Bearbeitung der Aufgaben waren die Kinder im Zeitraum der Befragung ca. 2 bis 3 Stunden pro Tag beschäftigt. Dabei übernahm die Hälfte der Befragten die Betreuung des Homeschoolings allein, die andere Hälfte teilte sich die Aufgabe mit der Partnerin oder dem Partner. Knapp ein Drittel der Eltern gab an, außer der Übersendung von Aufgabe n keine weitere Unterstützung von den Schulen erhalten zu haben. Zwei Drittel der Eltern verfügen zumindest über die Kontaktdaten der Lehrkräfte und konnten im Zweifelsfall nachfragen…Insgesamt lasse sich sagen, dass Eltern die Situation der vergangenen Wochen sehr unterschiedlich erlebt hätten, so die Erziehungswissenschaftlerin. Belastung, Angst, aber auch Begeisterung beim Homeschooling zeigte sich in allen Ausprägungen. War die Unterstützung der Schule gut und hatten die Eltern das Gefühl, den Kindern helfen zu können, wurde die Belastung als deutlich niedriger eingestuft, ganz unabhängig von den Rahmenbedingungen Zuhause.“ (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg)

„Die aktuelle Nutzung digitaler Medien, von Lern-Plattformen und Apps entspricht nicht dem, worum es bei der „Digitalisierung“ von Schule geht: Aktuell wird versucht, den Ausfall von Unterricht zu kompensieren. Einiges wird sich, wenn der herkömmliche Unterricht wieder einsetzt, dann wieder als überflüssig oder wenig funktional erweisen. Die beklagte Rückständigkeit der Schule kann in diesem Sinne in Teilen auch darauf zurückgeführt werden, dass nicht alles, was aktuell propagiert wird, sinnvoll sein muss. Natürlich hängt das Maß an Veränderung ganz entscheidend auch davon ab, wie schnell und inwieweit wieder schulische Normalität etabliert werden kann. Möglicher Weise zeigt sich gerade auch in der aktuellen Nutzung und Erprobung digitaler Kommunikationsmedien und -formen, dass diese zwar Unterricht auf der Erscheinungsebene verändern, allerdings in seiner Strukturlogik unberührt lassen: Lern-Apps, durch die sich Schüler*innen durchklicken, unterscheiden sich bei aller Suggestivität des Erscheinungsbildes mitunter kaum vom traditionellen Arbeitsbuch, welches seit Schülergenerationen im Einsatz ist. Ob nun Aufgaben analog per Papierkopie verteilt, per Mail versandt oder auf Lernpattformen bearbeitet werden, ändert an der Aufgabe und deren Bedeutung im Unterricht kaum etwas. Wie gesagt: Normaler Unterricht kann so nicht kompensiert werden.“ (Prof. Dr. Fabian Dietrich, Universität Bayreuth)  

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