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Schulabsentismus

Für das Fortbleiben aus der Schule hat sich in der Pädagogik der etwas sperrige Begriff „Schulabsentismus" durchgesetzt, um zunächst ursachenneutral das Phänomen zu erfassen, dass Kinder und Jugendliche der Schule wiederholt fernbleiben. Neben Erkrankungen kann es für Fehlzeiten vielfältige Ursachen geben. Sie reichen von Überforderung, Mobbing bis hin zu Fällen, in denen die Eltern ihre Kinder vom Schulbesuch abhalten. Schule und Schulbehörde müssen daher aufmerksam, sensibel und flexibel auf Absentismus reagieren und spezifische Hintergründe berücksichtigen.

Für die schulische Abklärung und Beratung von Absentismus ist es notwendig, die drei wichtigsten Varianten zu unterscheiden: „Schwänzen", „Schulangst" und „Schulphobie". Oberflächlich betrachtet ähneln sie sich, denn Schülerinnen und Schüler bleiben wiederholt der Schule fern. Die jeweils verursachenden Dynamiken sind aber sehr verschieden, so dass Prävention und Intervention sich deutlich unterscheiden müssen.

Bei Mobbing durch Mitschüler wäre z.B. das Verhängen einer Ordnungsstrafe gegen die Eltern des schulmeidenden Jugendlichen unangemessen; für den Fall, dass Eltern den Schüler am Schulbesuch hindern, wäre sie dagegen sehr wohl angemessen. Es ist also bei Schulabsentismus wichtig, eine genaue Vorstellung von den dahinterliegenden Ursachen zu haben, um seitens der Schule wirksame Maßnahmen einzuleiten. Sehr verkürzt dargestellt sind dies:

  • Schwänzen = Kontrolle erhöhen, Motivation fördern   
  • Schulangst = schulische Ursachen beseitigen, psychosoziale Hilfestellungen / Verständnis zeigen
  • Schulphobie = psychosoziale Hilfestellungen und (Familien-)Therapie einleiten, nicht zu viel Verständnis zeigen, Schulbesuch einfordern 

Bei der Einschätzung von Schulproblemen muss immer eine ganzheitliche (systemische) Sichtweise eingenommen werden und mindestens drei Einflussbereiche beleuchtet werden: Die Schule selbst, die Familie und die Person des Schülers.

Da Schulmeidung die Gesamtentwicklung von Kindern und Jugendlichen gefährdet, ist die schnelle Rückkehr in die Schule wichtig. Dies ist deshalb notwendig, weil jeder Tag von Schulmeidung aus lerntheoretischer Sicht eine „Belohnung“ für das schulmeidende Verhalten darstellt und sich die Problematik damit täglich festigt und chronifiziert. Schulische Maßnahmen bei „Schwänzen“ und angstbedingten Fehlzeiten müssen sich grundlegend unterscheiden. Weiterhin ist es wichtig, zwischen Schulangst und Schulphobie zu differenzieren. Aufgabe von Schulleitung, Beratungslehrern und Lehrkräften ist es dabei nicht, klinische Diagnosen zu stellen, aber sie sollten schnell erkennen, wann eine Ordnungsmaßnahme notwendig ist und in welchem Fall eher Schulpsychologe, Arzt oder Jugendhilfe unterstützen können.

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