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Gewalt an Schulen

Das Thema ist in den letzten Jahren häufig Gegenstand öffentlicher Debatte gewesen. Traurige Höhepunkte sind sogenannte „School shootings“ mit z.T. hoher Opferzahl. Solche Taten schwerer zielgerichteter Gewalt machen betroffen und wecken Ängste, die durch ausführliche Berichte in Medien noch verstärkt werden.  

Es ist sinnvoll zwischen subjektiver und objektiver Bedrohung zu unterscheiden: Umfragen haben gezeigt, dass das subjektive Gefühl des Bedrohtseins steigt. Eltern, Lehrer und Schüler sind häufig von der Zunahme störenden, aggressiven Verhaltens bis hin zur Gewaltbereitschaft und Mobbing in der Schule überzeugt. Dieser Eindruck läßt sich aber nicht immer mit eindeutigen statistischen Fakten belegen: Statistiken sogenannter „Raufunfälle“ an Schulen zeigen z.B. keine dramatischen Anstiege, weder quantitativ noch qualitativ. Kriminalstatistische Berichte zeigen in den letzten 15 Jahren einen rückläufigen Trend in der allgemeinen Kriminalität von Jugendlichen an. Eine Zunahme gravierender Formen der Gewalt ist statistisch nicht nachweisbar.  

Beunruhigend ist allerdings, dass Schülerinnen und Schüler weniger Hemmungen zeigen, in der Öffentlichkeit aggressiv zu sein. Früher steckte man einem Lehrer hinter dessen Rücken allenfalls mal die Zunge raus, heute hören Lehrkräfte mitunter direkte Beschimpfungen oder werden im Internet an den Pranger gestellt. 

Eine relativ häufige Gewaltform in der Schule ist das „Mobbing“. Kinder und Jugendliche werden von anderen körperlich oder verbal unter Druck gesetzt, ausgeschlossen oder drangsaliert. Es herrscht eine große Unsicherheit im Umgang mit diesem Thema und Auseinandersetzungen werden zunächst oft nicht erkannt. In der Folge erhalten betroffene Schülerinnen und Schüler dann unzureichende Hilfe von Lehrkräften oder den Eltern.  

Auch Formen von Cyber-Gewalt geraten zunehmend ins Blickfeld. Beim Cybermobbing verlagert sich die Mobbingdynamik in die sozialen Netzwerke. Das kann auch Lehrpersonen betreffen. Problematisch ist auch das Teilen von Gewaltdarstellungen über Smartphones. 

Ursachen von Gewalt in Schulen:

Gewaltphänomene, wie z. B. Gewalttätigkeiten von Hooligans, zeigen eindrücklich, dass Gewalt in Schulen nur im Kontext der Gewaltbereitschaft unserer Gesellschaft insgesamt angemessen diskutiert werden kann. Dies bedeutet, dass Gewalt in Schule kein spezifisches Problem darstellt, sondern eher die Art und Weise widerspiegelt, wie Menschen in unserer Gesellschaft miteinander umgehen. 

Es scheint, als sei ein höheres Maß der Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft der Preis für die in den letzten Jahrzehnten gewonnenen größeren Verhaltensfreiheiten. Während früher Elternhaus, Kirche und Schule weitgehend übereinstimmende Werthaltungen vertraten und einforderten, stehen wir heute vor dem Problem, dass wir zwar viele „traditionelle“ Wertvorstellungen aufgelöst, aber statt dessen wenig neue entwickelt haben.

Als Verursachung zunehmender Gewaltbereitschaft werden weiterhin genannt: 

  • Ökonomische Unsicherheiten durch globalen Wettbewerb.
  • Zunehmende „Abkühlung“ sozialer Beziehungen, auch hier im ländlichen Raum.

  • „Berieselung“ mit gewalttätigen Vorbildern in den Medien.

  • Auflösung traditioneller Familienstrukturen und Erziehungsvorstellungen.

  • Versagenserlebnisse, Zurückbleiben hinter eigenen / elterlichen Erwartungen,

  • Eigene Erfahrungen als Gewaltopfer. 

Bei psychologischen Theorien im engeren Sinne werden diskutiert:

  • Aggression als angeborener Trieb,
  • Aggression als Folge von Frustration (z. B. auf Grund von Lernproblemen),
  • Aggression als gelerntes Verhalten (z. B. durch Medienkonsum).

Konkretes gewalttätiges Verhalten einzelner Schülerinnen und Schüler beruht in aller Regel auf mehreren dieser genannten Ursachen. 

Mit ihrer hierarchischen Struktur, Abhängigkeitsverhältnissen, Notengebung, Versetzungs- und Ordnungsmaßnahmen ist die Schule selbst nicht „gewaltfrei“, kann andererseits aber nicht monokausal für Gewaltbereitschaft von Kindern und Jugendlichen verantwortlich gemacht werden. Aggressives oder deliquentes Verhalten in der Schule bildet vielfach das Endglied einer Kette von Erfahrungen.

Abweichende Verhaltensweisen von Jugendlichen fußen nicht unbedingt auf der Ablehnung gesellschaftlicher Werte. Oft wird Erfolg und Leistung angestrebt, der Erfolg erscheint jedoch bedroht oder nicht erreichbar. 

Was kann man tun?

Viele Schulen sind auf dem richtigen Weg und investieren Zeit in soziales Lernen, das erheblich dazu beiträgt in Schulen gewaltfreier zusammen zu leben. Schulen denen dies gelingt, gestalten aktiv das „Schulklima“ und sind sich in folgenden Punkten recht ähnlich: 

  • Sie haben eindeutige Regeln, denen Schüler und Lehrer verpflichtet sind.

  • Die Lernziele sind dem Leistungsvermögen der einzelnen Kinder / Jugendlichen angepasst.

  • Innerhalb dieses festen Rahmens erhalten Kinder / Jugendliche ein hohes Maß an Selbstbestimmung und Mitverantwortung.

  • Sie haben eine für alle transparente Schulstruktur, die im Alltag Orientierung gibt (Ansprechpartner, feste Räume, feste Verfahrensabläufe, etc.).

  • Solche Schulen setzen sich realistische Ziele: Eine „gewaltfreie Schule“ gibt es für sie nicht, sondern sie arbeiten vorbeugend an der Verminderung gewaltbereiten Verhaltens.

  • Diese Schulen wissen, dass sie dieses soziale Lernziel nicht alleine erreichen können (und auch nicht allein dafür verantwortlich sind) und öffnen sich für die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen (z. B. Jugendämter, Polizei, Beratungsstellen).

  • Diese Schulen pflegen einen intensiven Austausch mit den Eltern ihrer Schüler, gerade in Hinblick auf gemeinsame Festlegung von Regeln des Umgangs miteinander.

  • Schüler, Eltern und Lehrer identifizieren sich mit „ihrer“ Schule und bauen Beziehungen zueinander auf: Es gibt ein ausgeprägtes „Wir- Gefühl“.

Welche Unterstützung bietet die Regionale Schulberatungsstelle? 

Schulpsychologen helfen bei konkreten Einzelfällen, Ursachen und Hilfsmöglichkeiten bei aggressivem oder gewalttätigem Schülerverhalten zu finden. Nicht selten verbergen sich hinter aggressivem Schülerverhalten eben nicht Charakterschwächen oder fehlende Erziehung, sondern Lernprobleme, schulische Misserfolge oder eigene Gewalterfahrung. 

Im Krisenfall beraten und unterstützen die Krisenbeauftragten der Beratungstelle kurzfristig, entsprechend den Notfallplänen.

Lehrpersonen können auch für sich persönlich Beratung durch Schulpsychologen anfragen.

Über die Arbeit mit einzelnen Schülerinnen und Schülern, deren Eltern und Lehrern hinaus hilft die Schulpsychologische Beratungsstelle Schulen durch Fortbildung und Unterstützung bei konkreten Projekten sich zu „Problemlöseschulen“ zu entwickeln.  

Zum Thema siehe auch: „Schulklima gestalten – Leistung steigern – Gewalt verringern“

 

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