Zurück zur Startseite

Hauptmenü | Haupttext | Sprachauswahl | Infoboxen

Hauptmenü

Soziologen fürchten Erosion der Gesellschaft
16.06.10

Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst, die deutsche Mittelschicht schrumpft rapide. Soziologen und Ökonomen warnen vor verheerenden Folgen: Sie fürchten soziale Resignation, Elendsquartiere in den Großstädten und eine Zunahme des gesellschaftlichen Gewaltpotentials.

In einer Langzeiterhebung stellten die Autoren des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) fest, dass die deutsche Gesellschaft im ersten Jahrzehnt des dritten Jahrtausends rapide auseinandergedriftet ist. Im Jahr 2000 gehörten noch 18 Prozent der Bevölkerung zur Unterschicht, also zu jenen, die weniger als 70 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung haben. 2009 waren es schon fast 22 Prozent. Die Gruppe der Wohlhabenden, die mehr als 150 Prozent des mittleren Einkommens ausgeben können, sei dagegen von 16 Prozent auf 19 Prozent gewachsen.

Drohende Verrohung der Gesellschaft

Die langfristigen Folgen wären noch bedeutend schlimmer. So warnen die DIW-Autoren, die Polarisierung der Einkommen könnte die Struktur vieler Städte bedenklich verändern - und den Wiederaufstieg in die Mittelschicht erheblich erschweren. Ärmere Menschen seien auf niedrige Mieten angewiesen und würden vermehrt in Elendsquartiere abwandern. Solche Armenviertel aber seien "von Resignation und Zukunftspessimismus geprägt". Dort entstehe ein Lebenskontext, der von Resignation und Zukunftspessimismus geprägt sei. Vor allem für die Lebensperspektiven von Kindern und Jugendlichen ist das verheerend.

Eine weitere Gefahr: Wer den gesellschaftlichen Abstieg fürchtet, macht dafür gerne eine andere Bevölkerungsgruppe verantwortlich. Die Folge könnten Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass sein, schreiben die DIW-Autoren. Auch Hickel sieht diese Gefahr, "wenngleich es für derartige Tendenzen bislang noch keine Belege gibt". Derzeit sei Fremdenhass vor allem ein Problem der Unterschicht, bei einer verschärften gesellschaftlichen Polarisierung bestehe aber die Gefahr eines Überspringens auf die Rest-Mittelschicht.

Auch das Gewaltpotential könnte dann deutlich steigen. "In der Nachkriegsgeschichte war die Akzeptanz der Demokratie stark von den Aufstiegserwartungen geprägt, die eine demokratische Gesellschaft bietet", sagt Hickel. "Diese fallen jetzt immer stärker weg." Die Folge: Politikverdrossenheit, wachsende Ängste vor sozialem Abstieg - und schwindende Hemmungen, gegen das System zu rebellieren.

Quelle: Spiegel-Online

Ganzer Artikel hier

 


« Zurück