Bei der Einschulung spielt die soziale Kompetenz eine größere Rolle als die schulische. Sind sich Eltern und Lehrer einig, dass das Kind soweit ist, spreche nichts gegen eine frühe Einschulung, meint Diplom-Psychologe Wilfried Griebel.
Herr Griebel, wann sollte Ihrer Meinung nach ein Kind eingeschult werden?
Ein Kind sollte dann in die Schule kommen, wenn alle Beteiligten sich darüber einig sind, dass das Kind in die Schule gehen sollte. Das heißt: wenn das Kind in die Schule möchte und wenn Eltern, Erzieher und zukünftige Lehrer meinen, dass es das Richtige für das Kind ist.
Unabhängig vom Alter?
Ja, egal wie alt. Kinder lassen sich nicht in Normen zwingen. Die Einteilung in Altersstufen suggeriert, dass Gleichaltrige alle gleich sind. Das stimmt ja nicht. Auch Gleichaltrige entwickeln sich unterschiedlich. Und bringen ganz unterschiedliche Bedingungen mit. Schon allein das Geschlecht, ob sie Junge oder Mädchen sind. Oder ob das Kind einsprachig oder mehrsprachig aufgewachsen ist.
Was halten Sie dann von Schuleignungstests?
Diese Tests sind wahnsinnig unzuverlässig. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Vorhersage des Tests stimmt, liegt bei gerade mal 50 Prozent. Also, die sollte man endlich abschaffen. Aber zum Glück erkennen Schulen das immer mehr. Sie sehen ein, dass Kinder unterschiedlich sind, und tendieren auch dahin, alle Kinder unabhängig vom Alter aufzunehmen.
Zurzeit geht der Trend dahin, Kinder so früh wie möglich, also schon mit fünf Jahren, einzuschulen ...
Ja, das stimmt. Dieser Trend steht in einem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang: Je früher Kinder eingeschult werden, desto früher sind sie mit ihrer Ausbildung, also dem Studium oder der Lehre fertig. Und je früher sie in die Berufswelt einsteigen, desto bessere Chancen haben sie auch. Besonders im internationalen Vergleich. Das ist ja oft der Gedanke, der dahintersteckt. Wenn das Kind schon so weit ist, spricht auch nichts gegen eine Einschulung mit fünf.
Quelle: Kölnische Rundschau
