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Gefahr im Netz
07.05.10

Sie beleidigen sich, sie bedrohen sich, sie stellen sich bloß. Kinder und Jugendliche nutzen das Internet nicht nur zur Informationsbeschaffung. In der Anonymität des Cyberspace lassen sie zunehmend die Hemmungen fallen. Hänseln auf dem Schulhof war gestern, heute geht das virtuell übers Internet.

Rund 1,9 Millionen Schülerinnen und Schüler in Deutschland sind Opfer von Cybermobbing. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Zentrums für empirische pädagogische Forschung (zepf ) der Universität Koblenz-Landau, bei der knapp 2 000 Schülerinnen und Schüler der 1. bis 13. Klasse befragt wurden. Hauptverursacher – so die Befragten – seien die eigenen Klassenkameraden. Prof. Reinhold S. Jäger, der Leiter der Mobbingstudie am zepf, weist darauf hin: "Wir dürfen die Qualität des Cybermobbing nicht unterschätzen. Hier sind viele Betroffene hilflos. Sie erfahren häufig nur über Umwege von Gerüchten oder finden zufällig bloßstellende Fotos von sich im Netz. Das Löschen dieser Inhalte ist für die meisten von ihnen nicht möglich." Problematisch ist, dass den Tätern ihr Handeln oftmals gar nicht klar ist. Sie sehen via Computer keine direkte Reaktion, sehen nicht, wie sehr das Opfer unter den Verleumdungen und Beleidigungen im Chatroom leidet. Dies gilt es aber, den Kindern und Jugendlichen bewusst zu machen. Medienkompetenz muss her.

Eltern und Lehrer sind gefragt

In etlichen Schulen werden mittlerweile Veranstaltungen durchgeführt, die über Gefahren und Risiken des Cyberspace aufklären. In Arbeitskreisen oder während einzelner Projekttage versuchen die Lehrer, ihren Schülern einen kritischen Umgang mit dem Internet zu vermitteln. Das allein aber genügt nicht. Zunehmend sind auch die Eltern gefragt. Die Initiative "SCHAU HIN! Was deine Kinder machen" befasst sich mit dieser Thematik. Sprecherin Susanne Rieschel erklärt: "Unser Anliegen ist es, Eltern zu sensibilisieren und zu informieren, wie sie ihren Kindern den richtigen Umgang mit den neuen Medien vermitteln. Früher war das Kinderzimmer ein geschützter Raum, das ist heute nicht mehr so. Im schlimmsten Fall kann es so sein, dass das Kind in der Schule gehänselt wird. Und am Nachmittag geht es in seinem Zimmer unvermittelt weiter. Die Problematik des Cybermobbing ist eine ethisch-moralische Frage, worüber Eltern mit ihren Kindern reden müssen. Es ist einfach wichtig, den Tätern klarzumachen, dass es so nicht geht."

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum

Was viele nicht wissen: Zwischen Beleidigungen im realen Leben und im Internet macht die deutsche Rechtsprechung keinen Unterschied. Wer in Chatrooms oder Sozialnetzwerken das Recht am eigenen Bild verletzt, andere verleumdet oder kränkt, kann haftbar gemacht werden. Voraussetzung ist natürlich, dass der Urheber ermittelt werden kann. Das Landgericht München stellte zudem fest, dass Eltern für das Tun ihrer Kinder haften – auch im Internet. Im konkreten Fall hatte ein 16-jähriges Mädchen Videos ins Netz gestellt. Diese Videos waren aus Fotografien entstanden, deren Urheberrechte bei jemand anders lagen. Der Urheber verklagte neben dem Teenager auch die Eltern auf Schadenersatz – und bekam Recht. Das Gericht entschied, dass die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt hätten, da der Tochter uneingeschränkt und ungeprüft Zugang zum Internet gewährt worden war.

Begleitung von Anfang an

Der KIM-Studie 2008 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest zufolge, die sich mit dem Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland beschäftigt, nutzen bereits die Jüngsten das Internet. Rund 59 Prozent der Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren surfen regelmäßig im Netz. SCHAU HIN!-Sprecherin Susanne Rieschel fordert deshalb, die Kinder von Anfang an im virtuellen Raum zu begleiten: "Es geht darum, ihnen zum Einstieg die Nutzung zu vermitteln, aber auch auf die Gefahren aufmerksam zu machen. Die Eltern müssen versuchen, eine Vertrauensbasis zu schaffen. Denn gerade bei SchülerVZ wollen viele rein. Man muss den Kindern sagen, dass – wenn man dort mit jemandem mailt – er vielleicht nicht der ist, für den er sich ausgibt. Auf dieseRisiken müssen Kinder hingewiesen werden."

Sensibilisierung statt Kontrolle

Neben der Aufklärung durch Schule und Eltern können Filterprogramme zusätzlichen Schutz ermöglichen. Gerade bei jüngeren Kindern ist dies sinnvoll. Allerdings müssen sich die Eltern darüber im Klaren sein, dass solche Programme nie hundertprozentig sicher sind. Schutzfilter sind schnell umgangen. Daher ist die Rolle der Eltern umso wichtiger. Ihnen obliegt die Hauptaufgabe der Medienerziehung. Die Kinder müssen frühzeitig im Umgang mit dem Internet sensibilisiert werden. Ihnen muss beispielsweise vermittelt werden, nicht mit Persönlichen Daten wie dem Namen oder gar der Adresse in Internet-Communities hausieren zu gehen. Ist das beim Nachwuchs angekommen, ist schon viel für die Sicherheit der Kinder im Netz getan.

59 Prozent der 6- bis 13-Jährigen in Deutschland surfen regelmäßig im Internet. Rund 1,9 Mio. Schülerinnen und Schüler sind Opfer von Cybermobbing. Diese Zahlen fordern vor allen Dingen eines: eine kompetente Medienerziehung von Anfang an.

Quelle: www.bildungsklick.de

 


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