RSB Borken RSB Borken

Psychologisches Praktikum in der RSB

Julia Hähndel

Mein Name ist Julia Hähndel und im September und Oktober 2017 absolvierte ich ein sechswöchiges Praktikum bei der Regionalen Schulberatungsstelle des Kreises Borken. Ich studiere Psychologie im fünften Bachelor-Semester an der Universität Kassel. Das Team von acht Schulpsychologinnen und Schulpsychologen unter der Leitung von Herrn Dipl.-Psych. Michael Sylla empfing mich recht herzlich und ich habe mich sofort willkommen gefühlt. Ich bekam meinen eigenen Schreibtisch, PC und E-Mail Postfach. So konnte ich gut arbeiten und mich z.B. in die Literatur der Schulpsychologie einlesen.

Interessant fand ich, dass in NRW im Vergleich zu 6.000 Schulen, 195.000 Lehrern und 2,5 Mio. Schülern nur 350 Schulpsychologen eingesetzt werden. So ist ein Schulpsychologe in NRW im Durchschnitt für rund 7.000 Schüler verantwortlich. Im Kreis Borken sind es sogar über 10.000 Schüler pro Schulpsychologe, da die Schulberatungsstelle derzeit über 5,5 Planstellen verfügt.    

Besonders spannend war es, an Beratungsgesprächen teilnehmen zu dürfen. Diese fanden oft mit Eltern und Lehrern statt, damit das Umfeld des Betroffenen/in involviert und eine gemeinsame Basis für Problemlösungen gefunden wird. Manchmal durfte ich auch mit an Schulen fahren und Schüler im Unterricht beobachten. Hier war es interessant das Sozialverhalten des Schülers/in oder die Leistungsmotivation einzuschätzen. Die Psychologen führen auch bei Bedarf  Intelligenz- und/oder Leistungstests durch, um einen Schüler/in besser einschätzen zu können. Man kann mit breitgefächerten Tests z.B. die kognitive Entwicklung oder emotionale Kompetenz erfassen. Die Psychologen können den Eltern und den Lehrern dann mitteilen, wo Stärken und Schwächen liegen. Man kann zwar auch einen IQ-Wert ermitteln, allerdings ist dieser nicht so aussagekräftig wie die Ergebnisse der einzelnen Teile (Profilanalyse). Durch solche Tests können Psychologen Hilfestellungen geben, damit das Umfeld des Schülers/in besser auf ihn/sie eingehen kann und so individuell gefördert werden kann. Einmal durfte ich auch unter Anleitung selbst eine Intelligenzdiagnostik durchführen und den Test auswerten. Die Interaktion mit dem Kind hat mir viel Spaß gemacht. Anschließend durfte ich die Ergebnisse und die Verhaltensbeobachtung beim Testen in die elektronische Akte eintragen.

Im Rahmen der Digitalisierung wird es auch für das psychologische Testen immer populärer, computergestützt zu arbeiten. Zusammen mit einem Kollegen schaute ich mir ein Web-Seminar an, das von Professor Kubinger aus Wien gehalten wurde. Dieser stellte eine neue Form eines Intelligenztests (AID-3) vor, bei der die richtigen Antworten auf dem Bildschirm angezeigt werden. Diese sind nur für den Testleiter ersichtlich, sodass dieser anklicken kann, ob die Antwort der Testperson richtig war. Das Computerprogramm rechnet dann mit jeder neu gelösten Aufgabe das theoretische Fähigkeitsniveau der Testperson aus. Da die Aufgaben dann maßgeschneidert an die Person sind, kann eine Menge Zeit eingespart werden. Es wird nun diskutiert, ob so ein Programm auch für die Schulberatung sinnvoll ist.

Jeden Freitag ist Teambesprechung in der Schulberatungsstelle, bei der ich derzeit protokollierte. Hier treffen sich die Psychologen zum fachlichen Austausch oder für Regelungen. Außerdem nahm ich an verschiedenen präventiven Veranstaltungen teil, die von Psychologen der Beratungsstelle geführt wurden. Einer von diesen war die kollegiale Fallberatung, in der sich Lehrkräfte verschiedener Schulen regelmäßig treffen. Oft wird ein spezieller Fall vorgestellt, der dann von verschiedenen Seiten beleuchtet wird. Wir spielten eine Art Rollenspiel, in dem man sich in verschiedene Lagen des Umfelds oder des Schülers selbst versetzte. Dann berichtete man, was man aus dieser Position denkt und fühlt. Dadurch konnten verschiedene Wahrnehmungen näher betrachtet werden. Des Weiteren fand ich Supervisionstreffen von Schulsozialarbeitern spannend, da hier sowohl Einzelfälle als auch das Arbeitsumfeld reflektiert wurden. Die Psychologin stellte Fragen, die die Sozialarbeiter zum Nachdenken brachte und sie überprüfen konnten, ob gewisse Aufgaben wirklich in ihr Aufgabenfeld gehörten. Zudem nahm ich an einem Kurs für Lehrergesundheit teil. Die Psychologin leitete verschiedene Körperübungen zur Entspannung an und zeigte Möglichkeiten zur Stressreduktion auf. Ich fand es interessant zu sehen, wie das Wissen der Psychologie im Alltag angewendet werden kann.

Fortbildungen gehören auch zu dem Aufgabenfeld der Schulpsychologen.  So findet z.B. alle zwei Wochen über ein Schuljahr eine Fortbildung für Beratungslehrkräfte statt. Diese erhalten am Ende des Kurses ein Zertifikat von der Bezirksregierung und sollen an ihrer Schule als Beratungslehrer/innen tätig werden. Die Teilnehmer erlernen Techniken der Gesprächsführung, welche Punkte für gute Beratung wichtig sind, die Struktur von Beratungsgesprächen und vieles mehr. In Rollenspielen werden immer wieder verschiedene Situationen eingeübt, in denen die Lehrer/innen beraten sollen. Die Veranstaltung wird von drei Schulpsychologen geleitet. Ich durfte in die Rolle eines Teilnehmers schlüpfen und die Übungen mitmachen.

Ein anderes Mal war ich bei einer Fortbildung zu Trauma im Kontext von Migration dabei. Diese richtete sich an verschiedene Berufsgruppen, wie z.B. Lehrkräfte, die Deutsch als Zweitsprache unterrichten, Mitarbeiter aus dem kommunalen Integrationszentrum, Schulärzte, Gesundheitsamt und Sozialpädagogen. Hier durfte ich selbstständig eine Übung zur Ressourcenorientierung anleiten. Die Teilnehmer sollten ihre Handfläche auf ein Blatt Papier zeichnen und jeden Finger mit einem Sinn verbinden. Der Daumen stand beispielsweise für „Hören“, also sollten die Teilnehmer aufschreiben, welche Klänge oder Musik ihnen gut tun. Das wurde dann mit jedem Finger/ Sinn wiederholt. Die Übung diente dazu sich zu vergegenwärtigen, welche Ressourcen man ständig mit sich trägt. Da man kein Material hierfür braucht, kann man die Ressourcen ständig und überall aktivieren. Die Teilnehmer können diese Übung z.B. an belastete Schüler weitergeben.  

Es war also ein sehr breitgefächertes Praktikum, in dem ich viele Einblicke in die schulpsychologische Arbeit bekam. Vielen Dank für die schöne Zusammenarbeit und die neuen Erfahrungen!

Bericht: Julia Hähndel

Nach oben