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LRS und das Recht auf Normalität

Vergangene Woche wurde dem Schweizer Jacques Dubochet der Nobelpreis für Chemie verliehen. Danach war das beherrschende Thema in den Medien weniger seine Forschung zur Entschlüsselung der Struktur des Zika-Virus, sondern vielmehr seine Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten in der Kindheit. "Toll, was man trotz Legasthenie alles erreichen kann!", mögen viele denken. Doch wie hilfreich ist die mediale Abarbeitung derartiger Lebensgeschichten tatsächlich für Menschen mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS)?

Es ist gut, wenn Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten nicht verheimlicht werden, wenn Betroffene offen von ihren Problemen im Alltag berichten und darüber, was ihnen geholfen hat. Und natürlich ist es wichtig, auch die eigenen Stärken wahrzunehmen und einzusetzen. Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben, müssen häufig viele Hürden überwinden, ehe sie eine individuelle Förderung erhalten. Manche haben damit zu kämpfen, dass Eltern oder Lehrkräfte die LRS nicht sofort als solche erkennen. Andere schaffen mit Ach und Krach einen Schulabschluss und bleiben doch immer hinter ihren Möglichkeiten zurück. Dass es Betroffene gibt, die einen Nobelpreis gewinnen, Multimillionäre oder weltbekannte Schauspieler sind, ist da nur bedingt hilfreich. Denn die Erwartungshaltung des Umfeldes an Kinder mit LRS kann ohnehin schon erdrückend groß sein. Das Problem ist ja nicht das Kind, sondern falsche Erwartungen, das Fehlen individueller Förderung, zu wenig Zeit und zu wenig Verständnis und Geduld seitens der Schule, Kollegen, Familie oder der Gesellschaft.

Quelle: LegaKids

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