RSB Borken RSB Borken

Entwicklung der schulischen Lern- und Leistungsmotivation von Mädchen und Jungen

Bei allen Schülerinnen und Schülern nimmt von der 5. bis zur 9. Klasse das Interesse daran ab, die eigenen Fähigkeiten zu erweitern. Gleiches gilt für das Bestreben, gute Leistungen zu zeigen und schlechte zu verbergen. Die Rückgänge fallen aber bei Jungen stärker aus als bei Mädchen. Das geht aus einer in der Fachzeitschrift „Learning and Individual Differences“ veröffentlichten Studie von Forscherinnen des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und der Universität Kassel hervor.

Die Ergebnisse zeigen zum einen, dass die Zielorientierungen in dieser Phase bei allen Schülerinnen und Schülern signifikant an Bedeutung verlieren. Zum anderen gibt es markante Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. So weisen Mädchen bereits in der 5. Klasse eine höhere Lernzielorientierung auf, die bei den Jungen in den folgenden Jahren zudem deutlich stärker abnimmt. Die Leistungszielorientierung bewegt sich bei beiden zunächst auf einem ähnlichen Niveau und nimmt bis zur 7. Klasse auch vergleichbar ab. Dann stabilisieren sich die Werte aber bei den Mädchen, während die Neigung der Jungen, gute Leistungen zu zeigen und schlechte zu verbergen, bis zur 9. Klasse weiter zurückgeht. Désirée Theis fasst zusammen: „Nach unseren Befunden verlieren Lernen und Leistungen im Verlauf der mittleren Schulphase für Jungen stärker an Bedeutung.“

Als einen möglichen Grund führt sie an, dass die Lernumgebungen nicht gut genug auf die Bedürfnisse der Jungen zugeschnitten sein könnten. So zeigen weitere Ergebnisse der Studie, dass für Jungen Partizipation und Autonomieerleben in der Schule wichtiger zu sein scheinen als für Mädchen. „Mädchen scheinen sich nach der 7. Klasse soweit an die Bedingungen auf der weiterführenden Schule gewöhnt zu haben, dass der Wunsch, gegenüber Lehrkräften, Eltern und Gleichaltrigen durch gute Leistungen aufzufallen, wieder mehr in den Vordergrund rückt“, so Theis. Sie weist darauf hin, dass die Ergebnisse helfen können, das bessere Abschneiden von Mädchen in dieser Schulphase zu erklären. So haben bereits mehrere Studien einen hohen Zusammenhang zwischen der Lernzielorientierung und guten Schulleistungen belegt. Für konkretere Schlussfolgerungen braucht es aber weitere Untersuchungen, zum Beispiel unterteilt nach den Zielorientierungen in unterschiedlichen fachlichen Bereichen wie Lesen und Mathematik. Wichtig wäre es dann, den Zusammenhang mit Merkmalen der Unterrichtsgestaltung in den Blick zu nehmen, um herauszufinden, wie Jungen und Mädchen langfristig motiviert werden können.

Quelle: DIPF

Zur Pressemeldung geht es hier

Nach oben